Schöne Momente im Rückspiegel des Lebens
DRK-Kreisverband bringt Schwerstkranke mit dem „Herzenswunsch-Mobil“ an ihre Sehnsuchtsorte Wenn das Leben sich dem Ende zuneigt, lassen Schwerstkranke und Sterbende ihre Zeit auf dieser Welt gerne noch einmal in Gedanken Revue passieren, das gibt ihnen Halt, lässt sie Bilanz ziehen und erleichtert sicher auch den Prozess des Loslassens. Solche Erinnerungen sind wichtig auf den letzten bewusst wahrgenommenen Metern des Lebenswegs. Damit diese Bilder nicht nur in Gedanken entstehen, sondern live erlebt werden können, schickt der DRK-Kreisverband Hochtaunus sein „Herzenswunsch-Mobil“ an den Start.

Der DRK-Kreisverband Hochtaunus hat jetzt nach längerer Planung sein „Herzenswunsch-Mobil“, das schwerstkranke und in absehbarer Zeit sterbende Menschen zum Abschiednehmen noch einmal an ihre Sehnsuchtsorte bringen soll, offiziell in Dienst gestellt. Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen umgebauten Krankentransportwagen, der nicht mehr im täglichen rettungsdienstlichen Einsatz ist. Er ist mit einer Trage ausgestattet, bietet Platz für einen Rollstuhl und eine Begleitperson. Das Projekt ist ausschließlich spendenfinanziert und wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern des DRK im wahrsten Sinne „mit Leben erfüllt“. Grundsätzlich kann jede im DRK ehrenamtlich gemeldete Person, die bereit ist, an einer solchen Tagestour teilzunehmen, mithelfen. Die Helfer müssen volljährig sein und die persönliche Reife und Lebenserfahrung besitzen, um Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt bzw. bei der Erfüllung ihres „Herzenswunsch“ zu begleiten. „Da unsere Fahrgäste auf Grund ihrer Erkrankungen sicher stark eingeschränkt sind, werden ganz besonders Helfer mit einer medizinischen oder pflegerischen Ausbildung gesucht“, sagt Bereitschaftsleiter Mark Henning, der auch Ehrenamtskoordinator beim DRK ist. Die Ziele sollten innerhalb von etwa drei Fahrtstunden zu erreichen sein, damit die Rückkehr noch am selben Tag erfolgen kann.
Ältere und schwerkranke Menschen fahren oft nicht mehr so weit, aber sie haben dennoch Wünsche und Orte, Stationen ihres Lebens, die ihnen am Herzen liegen. Dabei kann es sich um den Ort der ersten gemeinsamen Wohnung eines Paares handeln, um besondere Sehnsuchtsorte - der erste Kuss auf der Loreley vielleicht, aber auch Plätze mit Weitblick, etwa die Wasserkuppe mit ihren in den Himmel steigenden Segelfliegern, der Feldberg, den man früher oft erwandert oder wo man am Feldbergturnfest teilgenommen hat. Auch die Besucherterrasse des Frankfurter Flughafens oder das Waldstadion könnten Wunschziele sein.
Das Angebot richtet sich ausschließlich und unabhängig vom Alter an Bürger des Hochtaunuskreises, die sich primär in einer palliativen Situation befinden. Für sie ist der Einsatz des „Herzenswunsch-Mobils“ kostenlos. „Wir übernehmen hierbei alle Kosten für Fahrt, Verpflegung und eventuelle Eintritte für den Betroffenen und unterstützen in begrenztem Umfang bei Bedarf, zum Beispiel im Rahmen der Bedürftigkeit, auch begleitende Angehörige“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Heiko Selzer. Mark Henning ergänzt: „Unser Ziel ist es, zu erreichen, dass der sterbende Mensch durch die Erfüllung eines solchen Herzenswunsches sein Leben positiv abrunden kann. Er soll auch in den letzten Monaten Wertschätzung erfahren und damit diese letzte Lebensphase selbstbestimmt und bedingt auch unabhängig wahrnehmen.“ Als dem Menschen verpflichtete Organisation verspricht man sich beim DRK damit auch ein offeneres Gespräch über den Prozess des Sterbens in der heutigen Gesellschaft: „Das Sterben gehört zum Leben dazu, wenn wir das Abschiednehmen durch einen Ausflug mit dem Herzenswunsch-Mobil ein wenig erleichtern können, sind wir zufrieden“, sagt Henning.
Die Initiative beruht auf der Idee des „Herzenswunsch-Mobils“ im KV-Odenwaldkreis, das auf den Ursprung des „Herzenswunsch-Hospizmobils“ des BRK Kreisverband Straubing zurück geht. Selzer. „Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich für die Unterstützung und zur Verfügungstellung der Idee und Konzeptionierung durch die Kollegen im Odenwaldkreis und vom Bayerischen Roten Kreuz in Straubing.“ Die Mitarbeit und Kooperationen steht allen Menschen und Organisationen, zum Beispiel Hospizvereinen, Senioren- und Behinderten-Einrichtungen, Krankenhäusern, Palliativstationen und Pflegediensten offen, soweit sie sich mit den Zielen des „Herzenswunsch-Mobils“ und mit den Grundsätzen des Deutschen Roten Kreuzes - „Helfen, ohne zu fragen: Wem?“ - identifizieren können.
Jede Fahrt mit dem „Herzenswunsch-Mobil“ muss von einem Rotkreuzarzt, einem Vertreter des DRK-Ortsvereins, in dem der Gast lebt, und einem Vertreter des DRK-Präsidiums beschlossen werden. Vor der Durchführung wird eine schriftliche Vereinbarung mit dem Patienten in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und eventuell vorliegenden Patientenverfügungen getroffen, die klärt, was im Falle von medizinischen Krisen oder gar des unterwegs eintretenden Todes zu tun ist. Das Projekt „Herzenswunsch-Mobil“ wird rein spendenbasiert durchgeführt. Die Durchführung der Fahrten sowie die gesamte Organisation erfolgt unter der Regie der Kreisbereitschaftsleitung ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften. Die Spendeneinnahmen kommen direkt dem Projekt, d.h. der Wunscherfüllung, den Fahrzeugkosten, den Versicherungen, der Helferpflege, etc. zugute. Steuerabzugsfähige Spenden können auf das Konto DE51 5125 0000 0001 0752 41 bei der Taunus Sparkasse eingezahlt werden. Anfragen zum „Herzenswunsch-Mobil“ nimmt der DRK-Kreisverband unter herzenswunschdrk-hochtaunus.de entgegen.
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Kreisbereitschaftsleiter und Ehrenamtskoordinator Mark Henning (li.) und DRK-Kreisgeschäftsführer Heiko Selzer sind froh, dass das „Herzenswunsch-Mobil“ des DRK-Kreisverbandes Hochtaunus an den Start gehen kann. Foto: DRK-Pressestelle